Wie lehne ich eine Beförderung ab?
Wenn man seinem Umfeld mitteilt, dass man befördert wurde, ist Gratulation angesagt. Was ist, wenn man sich entscheidet, abzulehnen?
Würde es bedeuten, sich wie ein*e Lottogewinner*in zu benehmen, wenn man erklärt, dass eine Gehaltserhöhung und neue Verantwortlichkeiten uns in Verlegenheit bringen? Derzeit nicht unbedingt. Jüngste Studien zeigen, dass die Erwartungen der Generation Z an ihre Karriereentwicklung anders sind als die ihrer Vorgänger*innen. Zu viel Verantwortung kann abschrecken.
Warum ist es kompliziert, eine Beförderung abzulehnen?
Eine Beförderung, vor allem eine unerwartete und für die man vorher kein Interesse gezeigt hat, ist ein Zeichen dafür, dass unser Arbeitgeber*in unsere Arbeit schätzt und wertschätzt. Es ist daher schnell passiert, dass man sich für das entgegengebrachte Vertrauen verpflichtet fühlt. Ausserdem kann sich schnell die Angst einstellen, als ehrgeizlos oder desinteressiert zu gelten.
Bei grossen Zweifeln oder echten Zwängen ist es jedoch klüger, mit gutem Gewissen abzulehnen, als in einer Position zu landen, die nicht mehr den eigenen Erwartungen entspricht. Mit dem Risiko, in Erschöpfung zu verfallen, die Motivation zu verlieren und kurz darauf zu kündigen. In dieser Situation wäre jede*r ein*e Verlierer*in.
Die gängigsten Argumente
Die Gründe können vielfältig sein, aber einige lassen sich leichter anführen, wenn man seine Ablehnung begründet. Hier sind fünf Hauptargumente, die Arbeitnehmende dazu veranlassen können, zusätzliche Verantwortlichkeiten als unangebrachte Belastung zu betrachten:
1. Der Wunsch, die aktuelle Position oder die Kollegen nicht zu verlassen. Zumal die Beförderung zur*m Vorgesetzten die intrapersonale Dynamik innerhalb eines Teams verändert.
2. Angst oder mangelnde Lust, sich in neue Arbeitsprozesse einzuarbeiten. Nicht jede*r hat das Zeug zur*m Leader*in. Im Falle einer Beförderung, die Führungsaufgaben mit sich bringt, kann die Tatsache, dass man die Zeitpläne oder Abwesenheiten der Mitarbeitenden verwalten muss, abschreckend wirken.
3. Die Angst vor Überlastung: Das Bild der*s Manager*in, die*der auch sonntags arbeitet, ist in den Köpfen noch sehr präsent und in der Praxis manchmal auch zutreffend. Mehr Verantwortung bedeutet auch weniger Freizeit. In einer Arbeitswelt, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben anstrebt, ist dies nicht mehr der Trend.
4. Eine geplante Neuorientierung: Lohnt es sich, sich in eine neue Position zu begeben, wenn man sich nicht langfristig in einem Unternehmen engagieren kann? Es ist schwieriger, dieses Thema offen anzusprechen, aber heutzutage ist es fast aus der Mode gekommen, dreissig Jahre im selben Unternehmen zu bleiben. Berufliche Laufbahnen sind mobil und selten linear; es ist möglich, seine Karriere im Alter neu auszurichten.
Der Trend bei jungen Menschen
Mehrere neuere Studien zeigen, dass die Generation Z immer weniger danach strebt, Manager*innen zu werden. Eine Untersuchung in England hat sogar ergeben, dass 16 % der unter 30-Jährigen jede Funktion, die mit Teammanagement verbunden ist, von vornherein ablehnen würden. Für dieses Phänomen gibt es bereits einen Anglizismus (conscious unbossing), der zum Teil auf die neuen Vorstellungen von Erfolg im Leben zurückzuführen ist, bei dem Leistung nicht mehr direkt nur an die Karriere gebunden ist. Unsere im Herbst 2024 durchgeführte Umfrage zu den Gehaltserwartungen der Arbeitnehmer hat gezeigt, dass mehr junge Menschen eine Arbeitszeitverkürzung einer Erhöhung vorziehen würden.