Synthese

In diesem Abschnitt soll eine Synthese der Indikatoren vorgenommen werden, die in den vorherigen Abschnitten präsentiert wurden. Die beiden nachfolgenden Abbildungen geben einen Überblick über die wichtigsten Indikatoren für die 16 häufigsten Berufe der MEM-Industrie sowie für das Total bzw. den Durchschnitt aller Berufe. Zum Vergleich sind jeweils auch die entsprechenden Werte für die Gesamtwirtschaft abgetragen. Die Abb. 6-1 enthält die Indikatoren zur Charakterisierung der Arbeitskräftestruktur. Abb. 6-2 gib Indikatoren zum gegenwärtigen Arbeitskräftemangel bzw. zukünftigen Arbeitskräftemangel wieder.

Zusammenfassung Indikatoren: Arbeitskräftestruktur

Zusammenfassung Indikatoren: Arbeitskräftemangel

Anm.: (*) vor Zahl = Extrapolation aufgrund von einer beschränkten Anzahl Beobachtungen; diese Resultate sind mit grosser Vorsicht zu interpretieren. NA = Extrapolation aufgrund von einer zu geringen Anzahl Beobachtungen; diese Resultate werden aus Gründen des Datenschutzes nicht publiziert. Zahl in blauer Schrift nicht berücksichtigt bei Heatmap, da Ausreisser. Rote Einfärbung in der Heatmap: Anzeichen für Arbeitskräftemangel (ceteris paribus); blaue Einfärbung in der Heatmap: Kein Anzeichen für Fachkräftemangel (ceteris paribus).
Quelle: BAK Economics

Die Indikatoren zum gegenwärtigen Arbeitskräftemangel (Arbeitslosenquote und
Quote der offenen Stellen) werden in Abb. 6-2 ergänzt um den Syntheseindikator «Arbeitslose pro offene Stelle (Ø 2018-22)», wobei zwecks Konjunkturbereinigung bei all
diesen Indikatoren 5-Jahresdurchschnitte verwendet werden. Der Syntheseindikator
kann als Indikator für einen «Mismatch» zwischen Angebot und Nachfrage verstanden
werden. Der zukünftige Arbeitskräftemangel wird hier durch den Syntheseindikator
«Anteil neue Erwerbstätige 2022-31 (= Neupensionierungen plus Veränderung der Beschäftigung) an den heutigen Erwerbstätigen» abgedeckt. Der Vollständigkeit halber
sind die absoluten Zahlen der Neupensionierungen und Veränderung der Beschäftigung 2022-2031 ebenfalls in der Tabelle enthalten.Auf Basis dieser Indikatoren lassen sich unter anderem folgende Erkenntnisse zum
Arbeitskräftemangel in der MEM-Industrie ableiten: 

Arbeitskräftemangel MEM-Industrie vs. Gesamtwirtschaft

Die Indikatoren legen nahe, dass die MEM-Industrie vom Arbeitskräftemangel gegenwärtig in einem ähnlichen Ausmass betroffen ist wie die Gesamtwirtschaft.

• Die MEM-Industrie weist beim Total bzw. Durchschnitt aller Berufe eine gleich hohe Arbeitslosenquote auf wie die Gesamtwirtschaft, jedoch eine niedrigere Quote der offenen Stellen9.

• Die Arbeitslosenquote ist bei der Mehrzahl der 16 ausgewählten Berufe in der MEM-Industrie kleiner als in der Gesamtwirtschaft, für die Quote der offenen Stellen gilt das Umgekehrte.

• Der Mismatch-Indikator ist beim Total aller Berufe der MEM Industrie (und auch den meisten einzelnen Berufen) höher als für die Gesamtwirtschaft. Dies deutet darauf hin, dass es in der MEM-Industrie weniger gut gelingt Arbeitslose in offene Stellen zu bringen als in der Gesamtwirtschaft.

• Insgesamt ergibt sich bei den auf die Gegenwart ausgerichteten Indikatoren
kein klares Bild dafür, ob der Arbeitskräftemangel in der MEM oder der Gesamtwirtschaft ausgeprägter ist.
Die Indikatoren deuten jedoch darauf hin, dass die MEM-Industrie zukünftig vom Arbeitskräftemangel leicht stärker betroffen sein könnte als die Gesamtwirtschaft.

• Der Anteil der neu zu besetzenden Erwerbstätigen 2022-31 an den heutigen Erwerbstätigen ist für die MEM beim Total aller Berufe höher als für Gesamtwirtschaft, obschon der Unterschied klein ist.
• Das Gleiche gilt zudem für jeden der 16 Berufe einzeln.

Arbeitskräftemangel innerhalb der MEM-Industrie

Es gibt in der MEM-Industrie hinsichtlich des Arbeitskräftemangels eine erhebliche Heterogenität zwischen den Berufen. Es gibt Berufe, bei denen die Indikatoren klar sowohl einen gegenwärtigen als einen zukünftigen Arbeitskräftemangel anzeigen – z.B.
bei den ICT-Spezialisten in der MEM-Branche (Code 25). Umgekehrt gibt es Berufe, bei
denen die Indikatoren alle eine unterdurchschnittliche Betroffenheit vom Arbeitskräftemangel anzeigen – ein Beispiel sind die Allgemeinen Büro- und Sekretariatskräfte
(Code 41). Die meisten anderen Berufe sind zwischen diesen beiden Extremen positioniert. Die Diskrepanz in den Ergebnissen für diese beiden Beispielberufen (ICT-Spezialisten und Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte) sind nicht unerwartet, da es sich
dabei um positiv und negativ betroffenen Beruf des in der Einleitung erwähnten Megatrends Digitalisierung handelt.